Verfasst von Dr. Anne Schmidt, DVM; tierärztlich geprüft von Dr. Sarah Mitchell — aktualisiert am 17. Juli 2026. Dr. Schmidt ist Fachtierärztin mit Schwerpunkt Ernährung und innere Medizin der Katze. Da dieses Thema über ihren fachlichen Schwerpunkt hinausreicht, wurden die parasitologischen, otologischen und pharmakologischen Aussagen dieses Beitrags von Dr. Mitchell geprüft. Dr. Mitchell ist auf präventive Katzenmedizin spezialisiert und verfügt über umfangreiche klinische Erfahrung.
„Was Katzenbesitzer am meisten brauchen, sind Informationen, die wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig praktisch umsetzbar sind.“ — Dr. Sarah Mitchell
Ohrmilben sind bei Katzen eine häufig diagnostizierte Ursache von Ohrenentzündungen. Die ansteckenden Parasiten können starken Juckreiz, dunkles Ohrsekret und erhebliche Beschwerden verursachen. Bei frühzeitiger tierärztlicher Diagnose lässt sich ein Befall in der Regel gezielt behandeln. Dieser Leitfaden hilft Ihnen, verdächtige Anzeichen zu erkennen, Behandlungsmöglichkeiten einzuordnen und einen erneuten Befall zu vermeiden. Die typischen Symptome, Übertragungswege und Diagnoseverfahren werden auch vom Companion Animal Parasite Council (CAPC) und vom Cornell Feline Health Center beschrieben.
Was sind Ohrmilben?
Otodectes cynotis ist eine parasitäre Milbe, die vor allem im äußeren Gehörgang von Katzen und anderen geeigneten Wirten lebt. Die Milben graben sich nicht in die Haut ein, sondern ernähren sich unter anderem von epidermalen Zellresten und Ohrsekret. Sie können gelegentlich auch an anderen Körperstellen gefunden werden. Eine Übersicht zu Biologie und Befallsorten bietet die CAPC-Leitlinie zu Otodectes cynotis.
Lebenszyklus und Biologie
Vermehrungszyklus:
- Der Entwicklungszyklus umfasst Ei, Larve, zwei Nymphenstadien und adulte Milbe.
- Der vollständige Zyklus dauert nach Angaben des CAPC ungefähr 18 bis 28 Tage.
- Die Entwicklung findet normalerweise vollständig am Wirt und überwiegend im Gehörgang statt.
Diese Angaben werden sowohl in der CAPC-Leitlinie als auch in der Studie von Taenzler et al. aus dem Jahr 2017 beschrieben.
Übertragung und Umwelt:
- Die Übertragung erfolgt vor allem durch engen direkten Kontakt zwischen Tieren.
- Gemeinsam genutzte Bürsten, Schlafplätze und andere Pflegeutensilien können ebenfalls eine Rolle spielen.
- Eine langfristige Vermehrung in Teppichen oder Tierbetten findet nicht statt. Das CAPC bewertet das Überleben in der Umgebung nicht als wesentlichen Übertragungsfaktor.
- In der Fachliteratur werden gelegentliche Befälle beim Menschen erwähnt. Menschen sind jedoch nicht der typische Wirt. Bei ungeklärten Hautreaktionen nach Kontakt mit einem befallenen Tier sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Die Einordnung der Übertragungswege stützt sich auf die CAPC-Leitlinie und die Veröffentlichung von Taenzler et al..
Einen Ohrmilbenbefall erkennen
Hauptsymptome
Die Ausprägung kann stark variieren: Manche Katzen tragen zahlreiche Milben, zeigen aber nur geringe Beschwerden; andere reagieren bereits bei einem kleinen Befall mit deutlicher Entzündung und starkem Juckreiz. Diese Variabilität wird in der CAPC-Leitlinie ausdrücklich beschrieben.
Verhaltensanzeichen:
- Starkes oder häufiges Kratzen an den Ohren.
- Wiederholtes Kopfschütteln.
- Reiben der Ohren an Möbeln oder am Boden.
- Berührungsempfindlichkeit oder Schmerzen im Ohrbereich.
- Unruhe oder Reizbarkeit.
Körperliche Anzeichen:
- Dunkles, trockenes oder krümeliges Sekret, das an Kaffeesatz erinnern kann.
- Unangenehmer Geruch aus dem Ohr.
- Rötung und Entzündung des Gehörgangs oder der Ohrmuschel.
- Kratzer, Schorf oder wunde Haut rund um die Ohren.
- Haarausfall durch häufiges Kratzen.
Mögliche Folgen eines unbehandelten Befalls:
- Sekundäre bakterielle Infektionen.
- Verletzungen durch intensives Kratzen.
- Othämatom, also eine blutgefüllte Schwellung der Ohrmuschel.
- Ausbreitung einer Entzündung auf Mittel- oder Innenohr.
- Beeinträchtigung des Hörvermögens oder des Gleichgewichts.
Die typischen Anzeichen und möglichen Komplikationen werden vom Cornell Feline Health Center sowie vom CAPC erläutert.
Abgrenzung von anderen Ohrproblemen
Dunkles Sekret und Juckreiz sprechen für Ohrmilben, beweisen den Befall aber nicht. Hefepilze, Bakterien, Fremdkörper, Allergien und andere Ursachen einer Otitis externa können ähnliche Beschwerden hervorrufen. Geruch, Farbe oder Konsistenz des Sekrets reichen daher nicht für eine sichere Selbstdiagnose aus.
Auch die Anzahl der Milben lässt sich nicht zuverlässig anhand der sichtbaren Beschwerden einschätzen. Eine tierärztliche Untersuchung ist erforderlich, um Ohrmilben von anderen Ursachen zu unterscheiden und mögliche Begleitinfektionen zu erkennen.
Professionelle Diagnose
Ein Tierarzt kann eine oder mehrere der folgenden Untersuchungen durchführen:
1. Otoskopische Untersuchung
- Der Gehörgang wird mit einem beleuchteten Otoskop untersucht.
- Bewegliche Milben können sich als kleine helle Punkte vor dunklem Ohrsekret zeigen.
- Gleichzeitig werden Entzündung, Sekretmenge und die Sichtbarkeit des Trommelfells beurteilt.
2. Mikroskopische Untersuchung
- Mit einem Tupfer wird eine Probe des Ohrsekrets entnommen.
- Unter dem Mikroskop kann nach Milben, Eiern oder Entwicklungsstadien gesucht werden.
- Die Probe kann außerdem Hinweise auf bakterielle oder durch Hefepilze verursachte Begleitinfektionen liefern.
3. Untersuchung weiterer Hautstellen
- Bei Hautveränderungen außerhalb des Ohres kann der Tierarzt zusätzliche Proben nehmen.
- Das hilft, einen außerhalb des Gehörgangs liegenden Milbenbefall oder andere Hautparasiten abzuklären.
Otoskopie und mikroskopische Untersuchung werden sowohl vom Cornell Feline Health Center als auch vom CAPC als zentrale Diagnoseverfahren beschrieben.
Was die Therapieentscheidung in der Praxis bestimmt
Nicht jede Behandlung passt zu jeder Katze oder jedem Haushalt. Besprechen Sie vor Beginn insbesondere folgende Punkte:
- Ist das Trommelfell ausreichend beurteilbar?
- Liegt zusätzlich eine bakterielle oder durch Hefepilze verursachte Infektion vor?
- Wie schmerzhaft ist das Berühren der Ohren?
- Kann die Katze Ohrentropfen sicher und stressarm erhalten?
- Leben weitere Katzen oder Hunde im Haushalt?
- Welches Präparat ist vor Ort für Katzen zugelassen und für Alter sowie Gewicht geeignet?
- Ist eine Ohrreinigung vor oder während der Behandlung sinnvoll?
- Wann soll der Behandlungserfolg kontrolliert werden?
Tierärztliche Behandlungsoptionen für 2026
Die Wahl des Wirkstoffs und des Behandlungsplans gehört in tierärztliche Hände. Zulassungen, Produktnamen und Anwendungsvorgaben unterscheiden sich je nach Land. Verwenden Sie deshalb nur ein ausdrücklich für Ihre Katze ausgewähltes Präparat und halten Sie sich an die verordnete Dosis.
Verschreibungspflichtige Medikamente
1. Selamectin als Spot-on
Typ: Topische Lösung zur Anwendung auf der Haut.
Anwendung: Das Präparat wird entsprechend der Produktinformation auf die Haut und nicht eigenmächtig in den Gehörgang gegeben.
In kontrollierten Studien mit natürlich befallenen Katzen und Hunden führte Selamectin zu einer vollständigen Reduktion der geometrischen mittleren Milbenzahlen an den jeweiligen Kontrolltagen. Katzen erhielten in der Untersuchung eine einmalige topische Behandlung. Die Ergebnisse stammen aus der Studie von Shanks et al., „The efficacy of selamectin in the treatment of naturally acquired aural infestations of Otodectes cynotis on dogs and cats“.
Praktische Vorteile:
- Das Medikament muss nicht direkt in den empfindlichen Gehörgang getropft werden.
- Eine Spot-on-Anwendung kann für Katzen hilfreich sein, die Manipulationen am Ohr schlecht tolerieren.
Zu beachten:
- Dosis und Wiederholungsintervall richten sich nach dem konkreten Produkt und dem tierärztlichen Plan.
- Studienergebnisse ersetzen keine individuelle Nachkontrolle.
- Begleitinfektionen können eine zusätzliche Behandlung erfordern.
2. Ivermectin
Ivermectin kann in bestimmten tierärztlich ausgewählten Behandlungsformen gegen Ohrmilben eingesetzt werden. Das Cornell Feline Health Center nennt Ivermectin als wirksame Option, weist aber zugleich darauf hin, dass Anwendung und häusliche Weiterbehandlung nach tierärztlicher Anleitung erfolgen sollten.
Zu beachten:
- Formulierung, Dosis und Anwendungsweg dürfen nicht aus Produkten für andere Tierarten übernommen werden.
- Ob eine Anwendung im Ohr oder eine systemische Behandlung geeignet ist, entscheidet der Tierarzt.
- Eine zusätzliche Therapie kann nötig sein, wenn das Ohr stark entzündet oder sekundär infiziert ist.
3. Fluralaner als topische Behandlung
In einer kontrollierten experimentellen Studie mit 16 Katzen reduzierte eine einmalige topische Fluralaner-Behandlung die mittlere Zahl lebender Ohrmilben am Untersuchungstag 28 um 100 Prozent gegenüber der Kontrollgruppe. Die Autoren berichteten in dieser kleinen Studie keine behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse. Details finden sich bei Taenzler et al., „Efficacy of fluralaner against Otodectes cynotis infestations in dogs and cats“.
Zu beachten:
- Die Studie untersuchte bei Katzen eine topische Anwendung.
- Aus Angaben zur Wirkdauer gegen andere Parasiten darf nicht automatisch auf dieselbe Schutzdauer gegen Ohrmilben geschlossen werden.
- Maßgeblich bleiben die örtliche Zulassung, die aktuelle Produktinformation und die tierärztliche Verordnung.
Warum Selbstmedikation riskant ist
Rezeptfreie Ohrprodukte, Reinigungsmittel und Hausmittel sind nicht automatisch zur Behandlung von Ohrmilben geeignet. Sie können eine tierärztliche Diagnose nicht ersetzen und behandeln mögliche Begleitinfektionen nicht zuverlässig.
Verwenden Sie kein Präparat für Hunde oder andere Tierarten bei einer Katze, wenn dies nicht ausdrücklich tierärztlich angeordnet wurde. Das gilt auch für Produkte, die denselben Wirkstoffnamen tragen. Einen Überblick über die fachgerechte Kontrolle von Ektoparasiten bietet die ESCCAP-Leitlinie GL3.
Richtiges Ohrreinigungsprotokoll
Eine Ohrreinigung kann Bestandteil der Behandlung sein, ist aber nicht bei jedem Medikament in derselben Form erforderlich. Fragen Sie vorab, ob und wann gereinigt werden soll. Das Cornell Feline Health Center empfiehlt, die häusliche Pflege erst nach entsprechender tierärztlicher Anleitung durchzuführen.
Sichere Technik:
- Verwenden Sie nur einen für Katzen empfohlenen Ohrreiniger.
- Geben Sie die angewiesene Menge in den Gehörgang.
- Massieren Sie die Ohrbasis vorsichtig.
- Lassen Sie Ihre Katze den Kopf schütteln.
- Wischen Sie gelöstes Sekret nur am sichtbaren äußeren Ohr mit einem Wattebausch oder Mulltupfer ab.
- Führen Sie keine Wattestäbchen oder anderen Gegenstände tief in den Gehörgang ein.
- Brechen Sie ab und kontaktieren Sie die Tierarztpraxis, wenn die Katze starke Schmerzen zeigt.
Der umfassende Behandlungsplan in vier Schritten
Schritt 1: Alle Kontakttiere berücksichtigen
Wenn bei einer Katze Ohrmilben nachgewiesen werden, sollten alle Katzen und Hunde im Haushalt tierärztlich beurteilt und nach Anweisung gleichzeitig behandelt werden. Symptomarme Tiere können am Übertragungszyklus beteiligt sein. Das CAPC bezeichnet die gleichzeitige Behandlung aller Hunde und Katzen im Haushalt als wesentlich.
Bei Frettchen oder anderen Kontakttieren sollte die zuständige Tierarztpraxis festlegen, ob und wie eine Untersuchung oder Behandlung erfolgt.
Schritt 2: Gemeinsam genutzte Gegenstände reinigen
Der direkte Tierkontakt ist der wichtigste Übertragungsweg. Eine normale Reinigung gemeinsam genutzter Gegenstände kann die Behandlung dennoch sinnvoll ergänzen:
- Tierbetten, Decken und waschbare Textilien reinigen.
- Bürsten und andere Pflegeutensilien säubern oder vorübergehend getrennt verwenden.
- Häufig genutzte Liegeflächen absaugen.
- Nicht waschbare Gegenstände nach tierärztlicher Empfehlung behandeln oder vorübergehend entfernen.
Die Umgebungsreinigung ersetzt nicht die gleichzeitige Behandlung der Kontakttiere. Das CAPC bewertet das Überleben in der Umgebung nicht als wesentlichen Übertragungsfaktor; Taenzler et al. nennen jedoch kontaminierte Pflegeutensilien und Schlafplätze als mögliche Übertragungswege.
Schritt 3: Tierärztliche Nachuntersuchung einplanen
Vereinbaren Sie den Kontrolltermin nach dem von der Praxis empfohlenen Zeitplan. Dabei kann geprüft werden:
- Ob noch lebende Milben oder Entwicklungsstadien nachweisbar sind.
- Ob eine weitere Dosis oder eine andere Behandlung erforderlich ist.
- Ob bakterielle oder durch Hefepilze verursachte Begleitinfektionen fortbestehen.
- Ob Entzündung und Verletzungen des Ohres abheilen.
Brechen Sie die Behandlung nicht vorzeitig ab, nur weil Kratzen und Kopfschütteln nachlassen.
Schritt 4: Künftiges Risiko beurteilen
Ob eine fortlaufende Parasitenprophylaxe sinnvoll ist, hängt unter anderem von Tierkontakten, Freigang, Neuzugängen und den vor Ort zugelassenen Präparaten ab. Lassen Sie sich einen individuellen Plan erstellen, statt eigenständig ein festes Anwendungsintervall zu wählen. Die ESCCAP-Leitlinie GL3 bietet einen fachlichen Rahmen für die Kontrolle von Milben und anderen Ektoparasiten.
Pflege zu Hause während der Behandlung
Verabreichung von Ohrenmedikamenten
- Lesen Sie vor jeder Anwendung die tierärztliche Anweisung und das Etikett.
- Wärmen Sie das geschlossene Fläschchen kurz in Ihren Händen an.
- Stellen Sie alle benötigten Materialien bereit, bevor Sie die Katze holen.
- Fixieren Sie Ihre Katze sanft; ein locker angelegtes Handtuch kann helfen.
- Geben Sie ausschließlich die verordnete Menge an der angegebenen Stelle.
- Massieren Sie die Ohrbasis nur, wenn dies empfohlen wurde.
- Lassen Sie die Katze anschließend den Kopf schütteln.
- Wischen Sie Überschuss nur am äußeren Ohr ab.
- Belohnen Sie die Katze unmittelbar nach der Anwendung.
- Fragen Sie die Praxis nach einer Alternative, wenn eine sichere Anwendung zu Hause nicht möglich ist.
Überwachung des Fortschritts
Mögliche Anzeichen einer Besserung:
- Weniger Kratzen und Kopfschütteln.
- Rückgang von dunklem Sekret und Geruch.
- Geringere Berührungsempfindlichkeit.
- Ruhigeres Verhalten.
Kontaktieren Sie Ihren Tierarzt, wenn:
- Keine erkennbare Besserung eintritt.
- Rötung, Schwellung oder Schmerzen zunehmen.
- Der Ausfluss seine Farbe, Menge oder Konsistenz deutlich verändert.
- Die Katze den Kopf schief hält.
- Gleichgewichtsstörungen, Schwäche oder auffällige Augenbewegungen auftreten.
- Die Ohrmuschel plötzlich anschwillt.
- Nach der Medikamentengabe eine unerwartete Reaktion auftritt.
Praxis-Checkliste für den Termin und die Behandlung
Vor dem Termin:
- Notieren Sie, wann Kratzen, Kopfschütteln oder Ausfluss erstmals aufgefallen sind.
- Fotografieren Sie bei gutem Licht nur den sichtbaren Bereich der Ohrmuschel.
- Schreiben Sie auf, welche Ohrreiniger, Medikamente oder Hausmittel bereits verwendet wurden.
- Erstellen Sie eine Liste aller Katzen, Hunde und weiteren Kontakttiere im Haushalt.
- Fragen Sie bei der Terminvereinbarung, ob die Ohren vor der Untersuchung ungereinigt bleiben sollen.
- Bringen Sie vorhandene Produktverpackungen oder Medikamentenlisten mit.
Während der Behandlung:
- Führen Sie ein kurzes Protokoll über jede verabreichte Dosis.
- Notieren Sie Veränderungen bei Kratzen, Kopfschütteln, Geruch und Sekret.
- Verwenden Sie für jedes Tier nur das ausdrücklich zugeordnete Präparat.
- Halten Sie den vereinbarten Kontrolltermin auch dann ein, wenn die Ohren äußerlich besser aussehen.
- Melden Sie ausgelassene oder unvollständig verabreichte Dosen der Praxis, statt den Plan eigenständig zu verändern.
Mögliche Komplikationen unbehandelter Ohrmilben
| Komplikation | Beschreibung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Sekundäre bakterielle Infektion | Verletzte und entzündete Haut kann eine zusätzliche bakterielle Otitis begünstigen. | Tierärztliche Untersuchung und gezielte Behandlung nach Befund. |
| Sekundäre Hefepilzinfektion | Im entzündeten Ohr kann eine zusätzliche Überwucherung mit Hefepilzen auftreten. | Mikroskopische Abklärung und passende Ohrmedikation. |
| Othämatom | Heftiges Kopfschütteln oder Kratzen kann zu einer blutgefüllten Schwellung der Ohrmuschel führen. | Zeitnahe tierärztliche Beurteilung. |
| Chronische Otitis | Länger anhaltende Entzündung kann den Gehörgang und das Trommelfell schädigen. | Behandlung der Milben und aller festgestellten Begleiterkrankungen. |
| Hör- oder Gleichgewichtsstörung | Eine fortschreitende Entzündung kann Mittel- oder Innenohr betreffen. | Dringende tierärztliche Untersuchung. |
Das Cornell Feline Health Center warnt davor, dass eine unbehandelte Otitis auf Mittel- und Innenohr übergreifen und Hörvermögen sowie Gleichgewicht beeinträchtigen kann.
Kostenplanung statt pauschaler Onlinepreise
Die tatsächlichen Behandlungskosten hängen von Praxis, Region, Anzahl der Tiere, erforderlichen Untersuchungen, gewähltem Medikament und möglichen Begleitinfektionen ab. Pauschale Dollarbeträge sind deshalb für einen deutschsprachigen Leitfaden keine verlässliche Grundlage.
Für einen Kostenvoranschlag können Sie nach folgenden Positionen fragen:
- Allgemeine tierärztliche Untersuchung.
- Otoskopie und mikroskopische Untersuchung.
- Medikament für jedes zu behandelnde Tier.
- Behandlung einer zusätzlichen bakteriellen oder durch Hefepilze verursachten Infektion.
- Ohrreiniger und benötigtes Zubehör.
- Kontrolluntersuchung.
- Behandlung eines Othämatoms oder anderer Komplikationen.
Teilen Sie der Praxis bereits bei der Terminvereinbarung mit, wie viele Kontakttiere im Haushalt leben. So lässt sich der mögliche Gesamtumfang besser einschätzen.
Proaktive Vorbeugungsstrategien
1. Individuelle Parasitenprophylaxe
Besprechen Sie mit Ihrer Tierarztpraxis, ob ein für Katzen zugelassenes Präparat gegen Ohrmilben für Ihr Tier sinnvoll ist. Die Auswahl sollte sich nach Exposition, Alter, Gewicht, Gesundheitszustand und örtlicher Zulassung richten. Verwenden Sie keine starre monatliche oder mehrmonatige Routine, wenn sie nicht zur Produktinformation und zum individuellen Plan passt.
2. Kontaktmanagement
- Lassen Sie neu aufgenommene Tiere tierärztlich untersuchen, insbesondere bei Juckreiz oder auffälligem Ohrsekret.
- Vermeiden Sie bis zur Abklärung engen Kontakt zwischen einem verdächtigen Neuzugang und vorhandenen Haustieren.
- Reinigen Sie gemeinsam genutzte Bürsten und Liegeplätze regelmäßig.
- Beziehen Sie bei einem bestätigten Befall alle Katzen und Hunde des Haushalts in den Behandlungsplan ein.
Der enge Kontakt zwischen Tieren ist laut CAPC der wichtigste Übertragungsweg.
3. Regelmäßige Kontrolle
- Betrachten Sie die sichtbare Ohrmuschel regelmäßig bei gutem Licht.
- Achten Sie auf Rötung, Sekret, Geruch, Kratzspuren und Schwellungen.
- Beobachten Sie Veränderungen wie häufigeres Kratzen oder Kopfschütteln.
- Reinigen Sie gesunde Ohren nicht routinemäßig tief im Gehörgang, wenn Ihre Tierarztpraxis dies nicht empfohlen hat.
Besondere Überlegungen
- Kätzchen und junge Katzen: Ohrmilben werden bei jungen Katzen häufiger festgestellt als bei älteren Tieren. Verwenden Sie ausschließlich ein Präparat, das für Alter und Gewicht des jeweiligen Tieres geeignet ist. Die Altersverteilung wird in der CAPC-Leitlinie beschrieben.
- Mehrkatzenhaushalte und Tierheime: Behandeln Sie nach tierärztlicher Anweisung alle betroffenen Katzen und Hunde sowie symptomarme Kontakttiere gleichzeitig. Dokumentieren Sie für jedes Tier Präparat, Anwendung und Nachkontrolle. Reinigen Sie gemeinsam genutzte Textilien und Pflegeutensilien und lassen Sie verdächtige Neuzugänge untersuchen, bevor enger Kontakt zur Gruppe zugelassen wird.
- Schmerzhafte oder stark entzündete Ohren: Versuchen Sie nicht, eine widerstrebende Katze gewaltsam zu behandeln. Fragen Sie nach einer weniger belastenden Applikationsform.
- Bekannte neurologische Erkrankungen oder frühere Arzneimittelreaktionen: Informieren Sie die Tierarztpraxis vor der Auswahl des Präparats vollständig über Vorerkrankungen und bisherige Reaktionen.
Häufig gestellte Fragen
1. Beweist dunkles, krümeliges Ohrsekret einen Milbenbefall?
Nein. Das Erscheinungsbild kann zu Ohrmilben passen, kommt aber auch bei anderen Ohrproblemen vor. Eine sichere Diagnose erfordert eine otoskopische oder mikroskopische Untersuchung. Das CAPC weist zudem darauf hin, dass die sichtbaren Beschwerden nicht zuverlässig mit der Zahl der Milben übereinstimmen.
2. Müssen symptomfreie Haustiere mitbehandelt werden?
Bei einem bestätigten Befall sollten alle Katzen und Hunde im Haushalt tierärztlich berücksichtigt und nach Anweisung gleichzeitig behandelt werden. Diese Empfehlung findet sich in der CAPC-Leitlinie.
3. Kann ich die Behandlung zu Hause durchführen?
Die Diagnose und Auswahl des Präparats sollten tierärztlich erfolgen. Nach einer Einweisung können viele verordnete Anwendungen und Pflegeschritte zu Hause durchgeführt werden. Das Cornell Feline Health Center empfiehlt die häusliche Weiterbehandlung ausdrücklich nur nach entsprechender Anleitung.
4. Wie schnell sind die Ohrmilben verschwunden?
Das hängt von Wirkstoff, Produkt, Befallsstärke und Begleitinfektionen ab. Kontrollierte Studien bewerteten die Milbenzahlen unter anderem am Tag 28 nach topischem Fluralaner und am Tag 30 nach einer Selamectin-Behandlung. Diese Studienzeitpunkte sind keine allgemeingültige Behandlungsdauer. Halten Sie sich an den konkreten Plan und den Kontrolltermin Ihrer Praxis. Siehe Taenzler et al. 2017 und Shanks et al. 2000.
5. Können Ohrmilben Menschen befallen?
Menschen sind nicht der typische Wirt, in der Fachliteratur werden jedoch gelegentliche Fälle erwähnt. Bei ungeklärtem Juckreiz oder Hautveränderungen nach Kontakt mit einem befallenen Tier sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Die Veröffentlichung von Taenzler et al. nennt Menschen als gelegentlich betroffene Wirte.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder fallspezifische Beratung. Verwenden Sie Arzneimittel nur nach Anweisung einer zugelassenen Tierärztin oder eines zugelassenen Tierarztes.
Konkrete Fachquellen
- Taenzler J, de Vos C, Roepke RKA, Frénais R, Heckeroth AR. (2017). „Efficacy of fluralaner against Otodectes cynotis infestations in dogs and cats.“ Parasites & Vectors, 10, 30.
- Shanks DJ et al. (2000). „The efficacy of selamectin in the treatment of naturally acquired aural infestations of Otodectes cynotis on dogs and cats.“ Veterinary Parasitology, 91(3–4), 283–290.
- Companion Animal Parasite Council. „Ear Mite: Otodectes cynotis.“
- Cornell Feline Health Center. „Ear Mites: Tiny Critters that can Pose a Major Threat.“
- European Scientific Counsel Companion Animal Parasites. „Guideline GL3: Control of Ectoparasites in Dogs and Cats.“

