Impfplan für Katzen 2026: Core- und Non-Core-Impfungen

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Impfplan für Katzen 2026: Core- und Non-Core-Impfungen

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Tierärztlich geprüft von der Fachtierärztin Dr. Anne Schmidt, DVM — aktualisiert am 17. Juli 2026. Dr. Anne Schmidt ist Fachtierärztin mit klinischem Schwerpunkt auf Katzenernährung, Magen-Darm-Gesundheit und chronischem Krankheitsmanagement. Dieser Artikel wurde fachlich geprüft; die impfmedizinischen Angaben basieren auf einem Abgleich mit den 2020 Feline Vaccination Guidelines der FelineVMA (vormals AAFP).

Zum Stand dieses Updates führt die FelineVMA weiterhin die 2020 Feline Vaccination Guidelines als verfügbare Impfleitlinie; ein separates Dokument für 2026 ist auf ihrer Richtlinienseite nicht aufgeführt. „2026" bezeichnet in diesem Leitfaden daher den Aktualisierungsstand, nicht das Erscheinungsjahr der Leitlinie.

"Was Katzenbesitzer am meisten brauchen, sind Informationen, die wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig praktisch umsetzbar sind." — Dr. Anne Schmidt, DVM

Impfungen sind ein Eckpfeiler der modernen Tiermedizin und haben die Verbreitung verheerender Infektionskrankheiten, die einst Millionen von Katzenleben forderten, drastisch reduziert. Die heutigen Impfprotokolle sind ausgefeilt und sorgen für einen Ausgleich zwischen robustem Krankheitsschutz und individueller Sicherheit. Indem Sie den Impfplan auf die einzigartigen Risikofaktoren und die Lebensweise Ihrer Katze abstimmen, können Sie einen optimalen, lebenslangen Schutz gewährleisten.

Dieser definitive Leitfaden für 2026 behandelt alles, was Sie wissen müssen: Core- versus Non-Core-Impfungen, empfohlene Impfpläne für Kätzchen und erwachsene Katzen, mögliche Nebenwirkungen, Kostenaufstellungen und die neuesten Richtlinien von Tiermedizin-Experten.

Feline Impfungen verstehen

Wie Impfungen wirken

Impfungen trainieren das Immunsystem Ihrer Katze, spezifische Krankheitserreger zu erkennen und sich an sie zu erinnern. Bei späterem Kontakt mit der eigentlichen Krankheit kann ihr Immunsystem eine schnelle, wirksame Abwehrreaktion aufbauen, die die Erkrankung verhindert oder ihren Schweregrad erheblich verringert.

Impfstofftypen:

  • Modifizierter Lebendimpfstoff (MLV): Enthält eine abgeschwächte, lebende Form des Virus. Stimuliert eine starke, langanhaltende Immunantwort.
  • Totimpfstoff/Inaktiviert: Enthält eine abgetötete Version des Erregers. Allgemein sicherer, kann aber Adjuvantien (Zusatzstoffe) zur Steigerung der Wirksamkeit benötigen.
  • Rekombinanter Impfstoff: Nutzt fortschrittliche Gentechnologie. Hochspezifisch und oft als sicherer mit geringerem Risiko für unerwünschte Reaktionen angesehen.
  • Untereinheiten-Impfstoff: Enthält nur gereinigte Teile des Erregers, wie Proteine, um eine Immunität auszulösen.

Core- vs. Non-Core-Impfungen

  • Core-Impfungen (Grundimmunisierung): Werden für ALLE Katzen empfohlen, unabhängig davon, ob sie drinnen oder draußen leben. Sie schützen vor schweren, weit verbreiteten und oft lebensbedrohlichen Krankheiten.
  • Non-Core-Impfungen (Wahlimpfungen): Werden auf Basis einer individuellen Risikobewertung verabreicht. Faktoren sind Lebensweise (Freigang), Umgebung (Mehrkatzenhaushalt, Zucht) und regionale Krankheitsverbreitung.

Feline Core-Impfungen

Diese essenziellen Impfungen werden typischerweise in einer einzigen Injektion kombiniert, die als FVRCP bekannt ist.

1. Felines Rhinotracheitis-Virus (FVR/FHV-1)

  • Krankheit: Verursacht durch ein Herpesvirus; führt zu schwere Infektionen der oberen Atemwege, Bindehautentzündung und Hornhautgeschwüren. Infizierte Katzen werden oft zu lebenslangen Virusträgern.
  • Schweregrad: Hoch ansteckend; kann für Kätzchen lebensbedrohlich sein, Symptome können lebenslang wiederkehren.
  • Impfung: Core. Verhindert schwere Erkrankungen, kann aber eine Infektion oder den Trägerstatus nicht immer verhindern.

2. Calicivirus (FCV)

  • Krankheit: Ein hoch ansteckendes Virus, das Mundgeschwüre, Lungenentzündung, Lahmheit und systemische Erkrankungen verursacht. Einige virulente Stämme sind besonders gefährlich.
  • Schweregrad: Reicht von mild bis schwer, bestimmte Stämme verursachen hohe Sterblichkeitsraten.
  • Impfung: Core. Reduziert den Schweregrad und die Häufigkeit der Erkrankung, verhindert aber nicht alle Infektionen.

3. Panleukopenie (FPLV/FPV)

  • Krankheit: Oft "Katzenseuche" oder "felines Parvo" genannt. Greift sich schnell teilende Zellen an und verursacht schwere Magen-Darm-Erkrankungen, Immunsuppression und neurologische Schäden bei Kätzchen.
  • Schweregrad: Oft tödlich, besonders bei Kätzchen. Extrem ansteckend und in der Umwelt sehr widerstandsfähig.
  • Impfung: Core. Hochwirksam bei der Vorbeugung dieser verheerenden Krankheit.

Feline Non-Core-Impfungen

1. Tollwut * Krankheit: Eine tödliche Viruserkrankung, die das zentrale Nervensystem befällt. Sie ist zoonotisch, kann also auf Menschen übertragen werden. * Gesetzliche Vorschriften: In den meisten Gebieten gesetzlich vorgeschrieben. Ein Impfnachweis ist oft für die Registrierung, Reisen und die Unterbringung in Tierpensionen erforderlich. * Impfstofftypen: * Rekombinanter Impfstoff (z.B. PureVax): Adjuvansfrei; für Katzen aufgrund eines geringeren assoziierten Risikos für Injektionsstellen-Sarkome generell bevorzugt. * Totimpfstoff mit Adjuvans: Wirksam, birgt aber ein etwas höheres Risikoprofil.

  • Impfplan: Variiert je nach Produkt und lokalem Recht (1-Jahres- oder 3-Jahres-Formulierungen).

2. Felines Leukämievirus (FeLV)

  • Krankheit: Ein Retrovirus, das Immunsuppression, Krebs und Knochenmarksstörungen verursacht. Übertragung durch anhaltenden engen Kontakt (Belecken, gemeinsame Näpfe).
  • Risikofaktoren: Freigänger, Kätzchen unter einem Jahr, Katzen in Mehrkatzenhaushalten mit unbekanntem Status.
  • Impfung: Für Risikokatzen empfohlen. Sie ist nicht 100% wirksam, daher bleibt die Vermeidung von Kontakt entscheidend.

3. Chlamydophila felis

  • Krankheit: Eine bakterielle Infektion, die hauptsächlich Bindehautentzündung und leichte Atemwegssymptome verursacht.
  • Risikofaktoren: Häufig in Zuchten, Tierheimen und Mehrkatzenhaushalten.
  • Impfung: Kann den Schweregrad der klinischen Symptome reduzieren, verhindert aber keine Infektion.

4. Bordetella bronchiseptica

  • Krankheit: Eine bakterielle Ursache für Atemwegsinfektionen, die zum "Zwingerhusten" bei Katzen beiträgt.
  • Risikofaktoren: Katzen in Tierheimen, Tierpensionen oder dichten Mehrkatzenumgebungen.
  • Impfung: Oft als Nasenspray-Impfung verabreicht; hilft, den Schweregrad der Erkrankung und die Virenausscheidung zu reduzieren.

5. Felines Immundefizienz-Virus (FIV)

  • Krankheit: Ein Retrovirus, ähnlich wie HIV, das zu einer allmählichen Immunsuppression führt.
  • Kontroverse: Ein Impfstoff existiert, wird aber nicht allgemein empfohlen. Geimpfte Katzen werden bei Standard-FIV-Tests positiv getestet, was die Diagnose erschwert. Wird primär für hochgefährdete, kämpfende Freigänger in Absprache mit einem Tierarzt in Betracht gezogen.

Impfplan für Kätzchen (Richtlinien 2026)

Erster Tierarztbesuch (6-8 Wochen alt)

  • Untersuchung: Vollständige allgemeine Gesundheitsuntersuchung.
  • Impfungen:
    • FVRCP #1
    • FeLV #1 (falls als risikobehaftet eingestuft)
  • Weitere Pflege:
    • Kotuntersuchung auf Parasiten
    • Beginn der Parasitenprophylaxe (Flöhe, Würmer)
    • Besprechung von Ernährung und Mikrochip-Implantation

Zweiter Besuch (10-12 Wochen alt)

  • Impfungen:
    • FVRCP #2
    • FeLV #2 (falls die Serie begonnen wurde)
    • Chlamydien-Impfung (falls durch Risiko indiziert)

Dritter Besuch (14-16 Wochen alt)

  • Impfungen:
    • FVRCP #3
    • Tollwutimpfung (wie lokal gesetzlich vorgeschrieben)
  • Wichtiger Hinweis: Die letzte FVRCP-Auffrischimpfung sollte mit 16 Wochen oder später verabreicht werden, um sicherzustellen, dass das Immunsystem des Kätzchens reif genug für eine optimale Reaktion ist und eventuelle Störungen durch mütterliche Antikörper überwunden werden.

Ein-Jahres-Auffrischung (12-16 Monate alt)

  • Auffrischimpfungen:
    • FVRCP (1-Jahres-Auffrischung)
    • Tollwut (wie vorgeschrieben)
    • FeLV (falls bei risikoreichem Lebensstil fortgesetzt)

Impfplan für erwachsene Katzen

Nach der anfänglichen Kätzchenserie

  • FVRCP: Alle 3 Jahre für die meisten erwachsenen Katzen, gemäß den Richtlinien der American Association of Feline Practitioners (AAFP). In Hochrisikoumgebungen kann eine jährliche Impfung empfohlen werden.
  • Tollwut: Verabreicht wie gesetzlich vorgeschrieben und entsprechend dem Impfstofftyp (1-Jahres- oder 3-Jahres-Impfstoff).
  • FeLV: Jährlich für Katzen mit anhaltendem Risikokontakt. Wird oft für niedrigrisiko, rein Wohnungskatzen über einem Jahr eingestellt.
  • Andere Non-Core-Impfungen: Werden basierend auf einer jährlichen individuellen Risikobewertung mit Ihrem Tierarzt verabreicht.

Überlegungen für Wohnungs- vs. Freigängerkatzen

ÜberlegungRein WohnungskatzenFreigänger / Drinnen-Draußen-Katzen
FVRCPAlle 3 JahreAlle 1-3 Jahre basierend auf dem Expositionsrisiko
TollwutWie gesetzlich vorgeschrieben (oft verpflichtend)Wie gesetzlich vorgeschrieben (kritisch bei Wildtierkontakt)
FeLVGenerell nicht nötigDringend empfohlen; jährliche Auffrischung
BordetellaSelten nötigIn Betracht ziehen bei Unterbringung in Tierpensionen oder Tierheimen

Impfrisiken und Nebenwirkungen

Häufige, milde Reaktionen (Klingen in 1-3 Tagen ab)

  • Leichtes Fieber
  • Verminderter Appetit oder Lethargie
  • Schmerzen oder eine vorübergehende kleine Beule an der Injektionsstelle

Umgang: Diese sind meist selbstlimitierend. Bieten Sie einen ruhigen Rückzugsort an und beobachten Sie Ihre Katze.

Weniger häufige Reaktionen

  • Erbrechen oder Durchfall
  • Gesichtsschwellung oder Nesselsucht/Juckreiz
  • Lahmheit (gelegentlich mit bestimmten Calicivirus-Impfungen assoziiert)

Umgang: Kontaktieren Sie umgehend Ihren Tierarzt. Die Behandlung kann Antihistaminika oder Kortikosteroide umfassen.

Selten, aber ernst: Impfassoziiertes Sarkom (VAS/FISS) * Risiko: Wird auf zwischen 1 zu 10.000 und 1 zu 100.000 Impfungen geschätzt. * Ursache: Ein aggressiver, krebsartiger Tumor, der sich Monate bis Jahre nach einer Injektion entwickeln kann, verbunden mit Entzündungsreaktionen (insbesondere auf Adjuvantien in Totimpfstoffen). * Präventionsstrategien: 1. Verwenden Sie adjuvansfreie Impfstoffe (z.B. rekombinante Tollwutimpfung), wenn verfügbar. 2. Befolgen Sie Protokolle für Injektionsstellen bei felinen Sarkomen (FISS): * Tollwut: Rechtes Hinterbein, unterhalb des Knies.

  • FeLV: Linkes Hinterbein, unterhalb des Knies. * FVRCP: Rechtes Vorderbein, unterhalb des Ellenbogens. 3. Vermeiden Sie unnötige Impfungen durch individuelle Risikobewertung. * Begründung: Spezifische Gliedmaßen- oder Schwanzstellen ermöglichen eine potenziell kurative Amputation, falls sich ein Sarkom entwickelt.

Kostenaufstellung für 2026

Komplette Kätzchen-Impfserie

LeistungGeschätzter Kostenrahmen
Erste Untersuchung50 - 100 €
FVRCP-Impfserie (3 Dosen)75 - 150 €
Tollwutimpfung20 - 40 €
FeLV-Impfserie (falls gegeben)50 - 100 €
Kotuntersuchungen & Entwurmung80 - 160 €
Mikrochip-Implantation25 - 50 €
Gesamt für Kätzchenserie300 - 600 €

Jährliche/Auffrischungskosten für erwachsene Katzen

LeistungGeschätzter Kostenrahmen
Jährliche Gesundheitsuntersuchung50 - 100 €
FVRCP-Auffrischung (alle 3 Jahre)25 - 50 €
Tollwut-Auffrischung (wie erforderlich)20 - 40 €
FeLV-Auffrischung (falls risikobehaftet)25 - 50 €
Typischer Jahresbesuch (nur Untersuchung)70 - 140 €
Jahr mit FVRCP-Auffrischung95 - 190 €

Günstige Impfmöglichkeiten

  • Tierheime & Rettungsorganisationen: Veranstalten häufig günstige Impfaktionen.
  • Mobile Tierkliniken & Geschäftsaktionen: Bieten oft Impfungen zu reduzierten Preisen an.
  • Nur-Impfung-Besuche: Einige Kliniken bieten diesen Service ohne vollständige Untersuchung zu einem niedrigeren Preis an.
  • Kosten bei günstigen Kliniken: Typischerweise 15 - 30 € pro Impfung.

Titer-Tests: Eine Alternative zu routinemäßigen Auffrischungen

Was sind Antikörpertiter?

Titer-Tests sind Bluttests, die den Spiegel krankheitsspezifischer Antikörper im System Ihrer Katze messen. Ein "positiver" oder hoher Titer deutet auf eine bestehende Immunität durch frühere Impfung oder Exposition hin.

Vor- und Nachteile von Titer-Tests

VorteileNachteile
Vermeidet unnötige ImpfungenHöhere Anfangskosten als eine Auffrischimpfung
Liefert individuelle ImmunitätsdatenMisst keine zelluläre Immunität (nur humorale)
Reduziert impfassozierte RisikenInterpretation erfordert tierärztliche Expertise
Ideal für Katzen mit früheren ImpfreaktionenFür Tollwut-Gesetzesanforderungen nicht anerkannt
  • Kosten: Ein FVRCP-Titer-Panel liegt typischerweise im Bereich von 100 - 200 €.
  • Wann in Betracht ziehen: Für erwachsene Katzen mit unbekannter Impfanamnese, Bedenken bezüglich Überimpfung oder einer Vorgeschichte von Impfnebenwirkungen.

Besondere Überlegungen

  • Trächtige/säugende Katzen: Modifizierte Lebendimpfstoffe generell vermeiden; Totimpfstoffe können unter tierärztlicher Anleitung verwendet werden.
  • Immunsupprimierte Katzen (FIV+, FeLV+, unter immunsuppressiver Therapie): Vor jeder Impfung ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Bewertung durch den Tierarzt notwendig. Modifizierte Lebendimpfstoffe werden in der Regel vermieden; inaktivierte Impfstoffe können unter sorgfältiger Überwachung eingesetzt werden.

Klinische Beobachtungen aus der Praxis

Über die Jahre haben sich in der täglichen Sprechstunde einige wiederkehrende Muster gezeigt, die Katzenbesitzern helfen, den Impfprozess realistisch einzuordnen:

Praktischer Gesprächscheck: Notieren Sie vor dem Impftermin, ob Ihre Katze Freigang hat, mit anderen Katzen zusammenlebt, reist, in einer Tierpension untergebracht wird oder andere Ausflüge außerhalb der Wohnung macht. Die AAHA/AAFP-Zusammenfassung der Feline Vaccination Guidelines nennt Lebensstil, Kontakte, Reisen, Unterbringung und Aktivitäten außerhalb des Hauses als Faktoren für die individuelle Risikoabschätzung. Diese kurze Vorbereitung erleichtert ein Gespräch, in dem der Impfplan an der tatsächlichen Exposition statt an einer pauschalen Kategorie ausgerichtet wird.

  • Häufigkeit milder Reaktionen: Leichte Lethargie und verminderter Appetit innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Impfung sind mit Abstand die häufigsten Beobachtungen. Sie klingen in der Regel ohne tierärztliche Intervention ab; ein ruhiger Rückzugsort und Frischwasser reichen meist aus.
  • FHV-1-Trägerstatus trotz Impfung: Besitzer fragen häufig, ob eine geimpfte Katze dennoch Herpesvirus ausscheiden kann. Die Antwort ist ja. Die Feline Vaccination Guidelines der FelineVMA (vormals AAFP) weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Impfung die Erkrankungsschwere reduziert, eine latente Infektion oder Reaktivierung in Stressphasen aber nicht in jedem Fall verhindert. Das erklärt, warum selbst vollständig grundimmunisierte Wohnungskatzen nach Umzug, Tierarztbesuch oder dem Einzug einer neuen Katze plötzlich wieder niessen.
  • FeLV-Eingangstest vor erster Impfung: In Mehrkatzenhaushalten mit unbekanntem Status eines neu aufgenommenen Tieres ist ein FeLV-Antigentest vor der ersten Impfung sinnvoll. Das Cornell Feline Health Center betont die Bedeutung dieser Eingangsdiagnostik, da eine bereits infizierte Katze nicht mehr von der Impfung profitiert und ein falsches Sicherheitsgefühl entstehen würde.
  • Umsetzung des FISS-Protokolls: Auch wenn adjuvantienfreie Impfstoffe wie PureVax das Sarkomrisiko senken, werden in der Praxis gelegentlich Katzen mit unklaren Schwellungen an klassischen Impfstellen vorgestellt — teils Jahre nach der letzten Injektion. Die konsequente Einhaltung des FISS-Protokolls (rechte Vorderpfote unterhalb des Ellenbogens für FVRCP, rechte Hinterpfote unterhalb des Knies für Tollwut, linke Hinterpfote unterhalb des Knies für FeLV) ermöglicht im Ernstfall eine kurative Amputation statt einer ausgedehnten Tumorresektion an der Schulter oder Hüfte.
  • Häufiger Irrtum zur Wohnungshaltung: Wiederkehrend zeigen sich Katzen, die als „reine Wohnungskatzen" gelten und dennoch gelegentlich Kontakt zu Artgenossen auf dem Balkon, im Treppenhaus oder bei Besuchen haben. Eine ehrliche Risikoanalyse mit dem Tierarzt — statt der pauschalen Annahme „drinnen gleich kein Risiko" — führt fast immer zu einem passgenaueren Impfplan und vermeidet sowohl Über- als auch Unterimpfung.
  • Titer-Tests bei unklarem Impfpass: Bei erwachsenen Katzen mit lückenhaftem Vorbericht, die aus dem Tierschutz oder dem Ausland aufgenommen wurden, hat sich ein FVRCP-Titer-Test in der Praxis als wertvoller erster Schritt bewährt. So lassen sich unnötige Auffrischungen vermeiden und gleichzeitig Lücken in der Grundimmunisierung schließen.

Häufig gestellte Fragen

1. Was soll ich tun, wenn eine geplante Impfdosis verpasst wurde?

Vereinbaren Sie einen Termin beim Tierarzt und lassen Sie den bisherigen Impfstatus, das verwendete Produkt sowie die aktuelle Lebensweise und das Expositionsrisiko prüfen. Ändern Sie Abstände oder Dosen nicht eigenständig: Die FelineVMA-Leitlinien sind Empfehlungen, nach denen der Tierarzt das Protokoll anhand des individuellen Patienten festlegt.

2. Braucht eine reine Wohnungskatze wirklich Core-Impfungen?

Ja, reine Wohnungshaltung macht Core-Impfungen nicht automatisch überflüssig. Die AAHA/AAFP-Zusammenfassung der Feline Vaccination Guidelines führt Core-Impfstoffe für Katzen mit unbekannter Impfanamnese auf; Non-Core-Impfungen richten sich dagegen nach Lebensweise, geografischer Lage und Expositionsrisiko. Besprechen Sie deshalb auch bei einer Wohnungskatze regelmäßig, welche Impfungen zu ihrer tatsächlichen Situation passen.

3. Wie lange dauert es nach der Impfung, bis der Schutz einsetzt?

Ein pauschaler Zeitraum gilt nicht für jede Katze, jede Impfserie und jedes Produkt. Die AAHA/AAFP-Leitlinie behandelt den Zeitpunkt und die Intervalle der Impfungen. Fragen Sie Ihren Tierarzt daher konkret, ab wann er bei der jeweiligen Impfserie von einem ausreichenden Schutz ausgeht.

4. Sollte eine kranke Katze geimpft werden?

Das sollte nicht nach einem starren Kalender entschieden werden. Der Tierarzt beurteilt den Einzelfall und wägt Nutzen und Risiken der Impfung im Zusammenhang mit dem aktuellen Gesundheitszustand ab. Die FelineVMA weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Leitlinien Empfehlungen sind und die konkrete Vorgehensweise für jeden Patienten nach professionellem Urteil festgelegt wird.

5. Worin unterscheiden sich FVRCP-Impfstoffe verschiedener Marken?

Die Marke allein bestimmt nicht den passenden Impfplan. Besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, welcher Impfstofftyp eingesetzt wird, welches Intervall für das konkrete Produkt gilt und wie Lebensweise, Exposition und lokale Vorschriften berücksichtigt werden. Die AAHA/AAFP-Zusammenfassung hebt die individuelle Risikoabschätzung sowie Impfzeitpunkte und -intervalle hervor; die FelineVMA empfiehlt die Entscheidung für den einzelnen Patienten.


Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine tierärztliche Beratung dar. Konsultieren Sie immer einen zugelassenen Tierarzt für fallspezifische Beratung.

Zitierte Quellen: Die Impfempfehlungen in diesem Leitfaden stützen sich auf folgende verifizierbare Quellen: die Feline Vaccination Guidelines 2020 der FelineVMA (vormals AAFP), das Journal of Feline Medicine and Surgery (JFMS), die Impfgrundsätze der American Veterinary Medical Association (AVMA) sowie die Informationsmaterialien des Cornell Feline Health Center.

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